• Neustadt/Hafen: Wenn die Adventsglocken klingeln

    Was selten ist, ist wertvoll, habe ich mal gelernt. Momentan ist Angeln bei mir selten, wertvoll war es mir ja schon immer.

    Am 31.11. durfte ich meine Familie zum Öffnen des ersten Neustädter Adentskalenderfensters begleiten. Der Kalender findet sich in Form von Bildern am Kremper Tor. Ein paar Lieder wurden gesungen, ein Kinderpunsch getrunken,
    ...Wattwürmer beim Angelladen direkt dahinter eingekauft! Kann ja schließlich kein Zufall sein, dass ich da mit sollte.

    Mit 25 Ködern in Topform ging es dann später (sehr viel später, wie immer) an den Neustädter Hafen. Auch wenn der Abend milder als die davor war, wehte doch ein recht frischer Wind über das Wasser und trübte es leicht an.
    Wie oft wird gewitzelt, dass man doch lieber die Würmer direkt auf den Grill schmeissen soll, als den kleinen Fisch. Ich muss einräumen, da war diesmal durchaus was dran. Die Würmer waren echt riesig:

    Noch mal länger als meine Ködernadel und für mein preiswertes Schlichtpadernoster mit relativ kleinen Haken.

    Aber, wer große Fische will, braucht ja bekanntlich auch große Köder! Daher wurden also mein obligaten 3 Angelruten jeweils mit 2 Haken mit so einem Monsterwurm belegt.
    Erst sah es so aus, als könnte es eher ruhig bleiben, und ich in Ruhe mein Buch lesen. Doch die Ruhe dauerte nicht lange an, dann ging das Gebimmel (oh, Glöckchen, passend zur Weihnachtzeit!) los. Naja, bis auf der erste Biss des Abends, der sass. Doch leider kann ich es mir nicht angewöhnen, zwischendurch die Klingel abzunehmen . Kaum wird die Schnur dabei schlapp, ist der Fisch auch schon wieder weg.
    Macht ja nix, war eh nicht groß und anscheinend stehen die im Wasser Schlange, um an den Haken zu kommen... Alles klare Bisse, fast jeder Anhieb ging trotzdem klar daneben.

    Ich stand oder hockte nun schon die ganze Zeit in Habachtstellung an den Ruten.

    Die Glocken klingelten sich im Wechsel einen Wolf.

    Nach gefühlten 100 Anhieben gab es dann einen ersten Übeltäter. Einen kleinen Dorsch von ca. 18 cm (damit kürzer als der Wattwurm). Gut gehakt, schließlich war ich ja im Dauerstandby, durfte er ohne Foto gleich wieder schwimmen.

    Da an der linken Rute nach einer waren Klingelorgie schon eine Weile Ruhe war, wurde es Zeit für die Köderkontrolle. Und siehe da:

    Seit einem Dreiviertel Jahr der erste kleine Butt aus dem Hafen. Natürlich hatte der Bursche in guter Tradition den Haken bis zum Mors geschluckt. Nach kurzer schwieriger Operation durfte er wieder schwimmen.

    Nicht alle Fische hatten soviel Glück, einen Dorsch konnte ich nicht retten. Insgesamt fing ich den einen Butt und 4 kleine Dorsche.
    Sehr auffällig, dass der typische "saubere Haken" kaum zu finden war, also kaum oder keine Krebse unterwegs an diesem Abend. Im Licht der Taschenlampe ist an der Kaimauer auch kaum noch was an Kleingetier zu finden. Die Stichlinge drücken sich scheu in kleinen Schwärmen in die Nischen, Garnelen sieht man fast garnicht mehr. Kleine Dorsch sieht man als Schatten über dem Grund huschen, allerdings war das Wasser auch recht trübe.
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    Gestern Abend bin ich dann nach meinem Dienst noch kurz wieder zum Hafen. Ein Blick in die Kühltüte im Kofferraum hatte ergeben, dass meine Monster-Wattis auch eine monster-Kondition haben und taufrisch auf`s Angeln warteten.
    Die Bedingungen diesmal:
    - windstill, kühler (0-2 C°), das Wasser glasklar, ein kräfter Strom zur Ostsee hin (Pegel also fallend).
    Da es hier um Reste-Verangeln ging, diesmal nur 2 Ruten. Dies waren auch schnell aufgebaut. Nun hätte ich das Buch gut brauchen können, es war nämlich nix los. Keine Klingelarie, einfach nur Stille. Okay, ein bischen Radio war schon zu hören und natürlich hat der Hafen seinen eigenen Klang, aber an den Angeln in der ersten halben Stunde nichts...
    Sollte das kalte klare Wasser die Fische vertrieben haben. Nö, natürlich nicht, es dauerte einfach etwas, da waren sie wieder da, die kleinen Quälgeister...
    Und machten sich einen Spaß mit mir. Hatte ich die linke Rute in der Hand, war Betrieb rechts und anders herum. Bei völliger Windstille waren die Zucker gut zu sehen. Trotzdem dauerte es echt lange, den Beweis für Fische im Wasser an Land zu bringen.

    Leider in der selben Größe wie beim letzten mal:


    Schön gezeichnet, sehr gut gebissen, konnte schadlos wieder schwimmen. Er war dann auch der einzige Fisch am Haken.

    Einen klassischen Krebsbiss konnte ich dann auch noch verwandeln. Die Rutenspitze geht dabei langsam 2-3 cm nach vorne. Ein langsames Wippen, ein kurzer kräftiger Ruck, dann wieder langsames Vorbeugen. Beim Einziehen dann den Hakenbogen sauber um den Scherenarm gelegt.

    Da war Flucht unmöglich. Erkennungsdienstlich erfaßt ging es dann wieder ins Wasser. Schließlich waren es jetzt echt nicht mehr viele Krebse, die da am Werke waren.

    Zum Schluss bringe ich immer meinen Müll (und den meiner vergesslichen Mit- oder Vorangler) direkt an der Brücke in die Mülltonne. Dabei wird dann auch noch kurz mit der Taschenlampe ins Wasser geschaut. Und da fanden sich dann wieder Unmengen an Nachwuchsdorschen. In der starken Strömung konnte man den Hering an der Oberfläche platschen sehen. Auch war dort noch mehr Stichling zu finden. Selbst im Binnenwasser in 0,5 m tiefen Wasser fanden sich noch Dorsche. Wie gesagt, der Nachwuchs ist reichlich stark und wird uns in 2-3 Jahren Freude bereiten!
    Das Taschenlampenlicht brachte dann auch noch an meiner Angelstelle am Kran in der Tiefe am Grund Filetier-Reste von großen Dorsche (ca. 60 cm) in Sicht. Offensichtlich wurden dort auch zeitweilig große Fische gefangen. Ich selber habe den Verdacht, dass ich zumindest gestern an der falschen Stelle stand.
    ...aber, ich habe noch Rest-Würmer im Auto....
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Aktuelles aus der Lübecker & Neustädter Bucht, auch Kleinboot/Kutter - Erstellt von: Lübecker Anglerforum Original-Beitrag anzeigen