• Der Wildbeuter...dunkle Jahreszeit!

    Der Wildbeuter
    …wi sünd klamm in de Wäsch!


    Dunkle Jahreszeit!


    Früher im Winter kam man zu seinem Schiff im Schlutuper Fischereihafen,
    zu seinem Fischkutter, alles war gefroren,
    die Tampen und die Scheiben sowie die Persenning knackte.
    Die Wanten waren weiß.
    Manchmal hingen Eiszapfen von den Querverstrebungen.
    Dicke wasserdichte Handschuhe schützten die Hände.
    Bis das Ölzeug geschmeidig war, das dauerte etwas.
    Die Wäsche war klamm, denn von innen kam nichts raus,
    von außen nichts rein. Ölzeug eben!
    Eisschollen trieben auf der Trave.
    Die Dalben waren befroren.
    Die Burschen hatten Eiskrusten von der Windseite.
    Und dann ging es los.
    Die Lotte mochte das,
    obwohl sie schon viele Jahre auf dem Buckel hatte.
    Auf Bornholm für einen Pommernfischer gebaut.
    Im Jahre 1948 von Johann Wilhelm Willwater erworben,
    erfahrener Tagesfischer und Wildbeuter.
    Einer der letzten Fischer in der Linie des Stammbaumes.
    Damals ein freier Mann ohne Quoten,
    erfahrener Meister und Ostsee Tagesfischer.
    Sein Sprichwort :
    „Immer mit der Ruhe wir finden eine Lösung!“
    War man erst auf See,
    so wenig Licht wie möglich machen,
    nichts soll uns verraten,
    die Konkurrenz kann auch sehen.
    Die Macht der tausend Augen.
    Wenig erzählen, nie überschwänglich sein,
    trotzdem den Raum mit Fisch voll haben.
    Möwen verfolgen das Schiff,
    warten auch auf Ihren Anteil.
    Immer wieder aufpassen,
    Obacht geben, jede Luke musste geschlossen,
    verriegelt sein.
    Hart am Wind von Osten, lässt auf gar keinen Fall die Knochen rosten.
    Ich war 10 Jahre alt, durfte das alles noch erleben,
    es war das Schönste auf der Welt.
    12 Meter Wasser unter dem Kiel und dem Sonnenaufgang entgegen.
    Lange ist es her...
    Fragte ein Kunde damals, was willst Du werden?
    Das Gleiche, käme als Antwort, Träume im Alter von 10 Jahren sind schön,
    die Realität ist die Wirklichkeit.
    Vater sagte immer,
    mein Sohn macht was anderes.
    Und Mutter hat immer gesagt, der Rolf, der geht lange zur Schule.

    So halte ich mir hin und wieder eine Muschel vom Strand ans Ohr,
    höre was sie mir flüstert.
    Du bist immer noch eines freien Mannes Sohn... ein Wildbeuter.
    Die Ostseeküste ist Dein Revier, mach die Leinen los...
    und denke dran,
    nichts vergessen, gut zuhören,
    mach das was Du bei mir gelernt hast,
    dann hast Du oftmals das Näschen vorne.
    Da steckt echt viel Weisheit drin...
    egal was man im Leben gerade macht.

    Rolf Willwater

    Die Lotte vor Stülper Huk...oftmals gab es an Bord frisch gebratenen Fisch,
    einfach und doch anders aus der Pfanne, dazu einen Kanten Brot.
    Wir brauchten keine Tischdecke, wir brauchten nur die rustikale Planke..


    Die Muschel..auf einen meiner vielen Wege fand ich sie, Pech gehabt oder einfach gestandet...
    und irgendwann kommt ein anderer Jäger daher, wird das was drin ist einfach rauspulen...
    Leben und Leben lassen...


    Der Breitling..ich erinnere mich gerne..etwa 200 Meter trieb unser alter Eichenkahn so dahin über die
    Breitlingsbucht, wir schauten ins Wasser, Elritzen spielten und jagdten vorüber, da was ist das...
    bei über 30 Grad in der Sonne sonnten sich Aale auf dem Grund. Alles klar bei den Aalreusen,
    das dürfen wir uns nicht entgehen lassen...dicker Fang wahrlich in kurzer Zeit.


    Sonne kräftig blitzt sie über die Trave, es riecht nach Erfolg...die Wangen wurden auf jeden
    Fall goldbraun, es ist friedlich. So soll es sein...


    Sehnsucht...der Wellenschlag bricht sich am Strand, es riecht nach Tang, Muscheln und so manche Idee kommt
    uns, morgen früh an gleicher Stelle...Silber...Silberbarren oder vielleicht nur ein Leopard.


    Das ist bei oder am Huk...oft in Lee genau unter dem Baum und Hügel gelegen,
    nur die Netze klariert, einen heißen Kaffee aus dem Becher geschlürft, dann weiter, wer zu lange untätig
    ist, der rostet...


    Wieder ein Blick ins Revier...früher haben wir dort Eidechsen gefangen, so manchen Baum gefällt
    für ein grandioses Lagerfeuer oder auch mit getrockneten Kuhfladen unser Feuer in Gang gehalten.
    Den Platz hier kennt bestimmt nur Rhöde...?


    Die alte Brücke zerfällt langsam...aber ich vermute es ist einfach egal. Sie hat ausgedient!
    Das erste Mal mit der Waade zum Fischfang. 16 Jahre alt war ich, musste spontan einen Gesellen ersetzen.
    Wie so oft, volle Konzentration, keine Schwäche zeigen, ausruhen und erholen einfach hinterher.


    Die alte Bude...der Fischer ist wohl im Schlaf vom hier und jetzt
    zum größten Wildbeuter aller Zeiten gerissen worden,
    Fakt letzte Reise zum Schirmherrn Petrus...Farewell...am Ende bleiben nur noch
    Reste übrig...
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Der Wildbeuter...dunkle Jahreszeit! - Erstellt von: Dwarslöper Original-Beitrag anzeigen