• Nehmt das Meer ernst!

    Zu 99% nutzen wir zum Angeln auf der Ostsee „Sit on Top Kajaks“, das sind geschlossene unsinkbare Bootskörper auf denen man, wie der Name schon sagt, oben drauf sitzt. Diese sind speziell für das angeln konzipiert und sind trotz der leicht erhöhten Sitzposition sehr kippstabil.




    Bei einem „Sit in Kajak“ sitzt man mit dem Unterkörper im Kajakrumpf und die Einstiegsöffnung wird mit einer Spritzdecke verschlossen. Sit in Kajaks sind zum Angeln eher ungeeignet und werden nur von wenigen „Profis“ genutzt die auch eine Eskimorolle beherrschen, um sich nach einer Drehung wieder an die Oberfläche zu manövrieren.



    Die Sit on Top Kajaks haben durch den Bootsrumpf geführte Öffnungen und sind damit selbstlenzend. Das bedeutet das das Wasser einer überschwappenden Welle oder das Wasser nach einer Kenterung sofort wieder heraus läuft.



    Das Kajak bleibt also immer frei von Wasser und uneingeschränkt einsatzfähig.

    Als Bekleidung nutzen wir einen Trockenanzug. Bei einem unfreiwilligen Bad im kalten Wasser erhalten nur die Hände und das Gesicht Wasserkontakt. Darüber tragen wir eine Auftriebs- oder Rettungsweste und an dieser befestigt ein Verbindungseil (Safety Leach) das uns sicher mit dem Kajak verbindet. Ohne Verbindungsleine würde das Kajak schon bei leichtem Wind schneller von einem wegtreiben als man schwimmen kann. Noch schneller treiben übrigens luftgefüllte Schlauchboote und dein Kanu ab.
    Sowohl Rettungsweste als auch die Safety Leach sind absolut unverzichtbar, der Trockenanzug ist bei sommerlichen Wassertemperaturen nicht erforderlich.





    Wiedereinstiegsübung: Diese macht jeder verantwortungsvolle Kajakangler regelmäßig:

    https://youtu.be/WCAbjCAirM0


    Schlauchboote/Luftkajaks:

    Eine überschwappende Welle bringt dir Wasser in dein Luftkanu und macht dich manövrierunfähig und bei fehlendem Trockenanzug auch nass. Solltest du kentern und befindest dich außerhalb von deinem Kanu und dieses ist voll Wasser sind deine Probleme noch größer. Dann hast du zwar noch einen Auftriebskörper mit 200 Liter Luftinhalt. Dieser treibt aber lediglich wassergefüllt an der Oberfläche und taugt nur noch zum festhalten. In beiden Fällen ist die größte Bedrohung das kalte Wasser. Bei den jetzigen Wassertemperaturen bist du nach weniger als 30 Minuten handlungsunfähig und nach weniger als einer Stunde tot.
    Die einzige Chance auf Rettung wäre ein anderes Boot das dich aus Seenot rettet.

    Warum schreibe ich das hier so eindringlich:

    Weil ich in den letzten 5 Jahren an zwei Bergungen von toten Schlauchbootanglern beteiligt war. Beide waren alleine unterwegs und sind über Bord gegangen.
    Die Gründe können natürlich vielfältig sein aber vermutlich haben sich die beiden auch sehr sicher gefühlt. Ich kann dir nur empfehlen einmal eine Wiedereinstiegsübung zu versuchen.
    Tue dies mit deinem Kanu und der Bekleidung die du üblicherweise trägst. Lass dich dabei aber von einem anderen Boot sichern, du wirst die Hilfe brauchen.

    Jeder entscheidet für sich alleine, ich hoffe das Glück bleibt dir treu, denn einen Fehler macht man auf der Ostsee nur einmal.
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Angeln diese Woche wo? - Erstellt von: ChristopherHH Original-Beitrag anzeigen