• Ove `s Angelteiche! (1972)

    Ove `s Angelteiche!
    Das Leben der Fischer war hart und man musste regelmäßig ein Zubrot verdienen.
    So ein unregelmäßiges Zubrot war unter anderem die Fischteiche anderer Leute zu
    befischen oder abzufischen. Das brachte immer mal den einen oder anderen Hunderter
    harter deutscher Währung „DM“ ein.
    Kurz zu Ove, er war mein Vaters bester Freund, von Beruf Medizinmann und ein lieber guter
    Mensch, hatte Frau und 3 Töchter.
    Zudem hatte er mal meinem Vater das Leben gerettet, mir mal den Schädel
    zusammengeflickt, als ich mir auf der Lotte recht unspektakulär ein Loch im Schädel
    zugefügt hatte. Weiß noch genau, er hatte mit einer Schere die Haare entfernt und
    alles fein klariert, ich meine betüddelt. Mehr braucht Ihr nicht zu wissen!
    Teich abfischen war immer eine Sache für father and son, the perfect team!
    Entweder in schonender Weise mit der kleinen Wade oder mit den Butt- oder Barschnetzen.
    Der erste Teich!
    Ove hatte durch einen seiner Patienten zwei Teiche in der Nähe von Moisling
    zum Pachten angeboten bekommen.
    Diese waren auf einer großen Weidefläche gelegen, Charakter rechteckig und wurden durch 2 Gräben
    gespeist. Wir schauten uns die Teiche in der Dämmerung mal genauer an, um zu sehen, ob
    da Fische in Bewegung waren. War so, es brodelte im Wasser, aber zugleich sagte mein Vater
    jede Menge Kraut.
    Aber nächsten Sonntag sollte es zu Werke bzw. an die Arbeit gehen mit der kleinen Wade.
    (Netz mit 2 Flügeln hinten einen Steert, nicht wie beim Manne dort ist der nämlich vorn)
    Sonntag früh am Morgen sollte es losgehen. Kleine Wade gepackt, Handwagen mit 4 Rädern mit,
    ein wenig Tau und andere Utensilien.
    Wir trafen uns am Weg zu den Teichen. Ove brachte seine Töchter Nane, Ische und Cornelia mit.
    Soll ich sie mal beschreiben, alle von dürrer Statur, nix dran, kurze Hose und Klapperlatschen,
    eben im Anspruch Zicken.
    Die Weiden, die wir überqueren mussten waren voll mit Kühen und alles war voller
    Tretminen, für Begriffsstutzige „Kuhfladen“ und dann noch schön frisch.
    Die 3 Zicken quakten jetzt schon herum. Plötzlich ein Aufschrei, eine der 3 Mädels
    war voll in so einen Kuhfladen getreten, da quoll die schokoladenartige Masse zwischen
    den Zehen hervor. Ich konnte mir die Schadenfreude gerade noch so eben mal verkneifen.
    Wir schoben unser Vehikel, ich meine den Netzkarren mit der Wade
    über die Koppel. Mein Cousin Ehrhard Rosenburg und ich vorne an der Deichsel,
    mein Vater und Ove sowie Dieter Rosenburg hinten. Das war beschwerlich genug!
    Und die alten Schwarzweißen waren vielleicht neugierig, voll nervig, waren ja auch irgendwie Zicken aber mit Euter, Ihr versteht.
    Dann schnaubte es hinter uns! Was war das? Mein alter Herr sagte zu uns,
    bleibt ruhig, es ist nur der Bulle. Und ich wusste ja, so ein Bulle kann ganz schön rabiat werden.
    Er kam immer dichter. Dat Viech hatte einen riesigen Nasenring (heute wäre das modern)
    und sah angsteinflößend aus.
    Mein Vater immer wieder, bleibt ruhig. Die Mädels pieselten sich fast in die Hose, Mädchen halt!!!
    Und plötzlich, wahnsinnig schnell „blitzartig“ drehte sich mein Vater um, haute dem Bullen mit der Faust auf die Schnauze und langte ihm so noch Eine.
    Der hatte bestimmt genug und haute ab. Fischermanns Pranke hat geholfen.
    Jetzt ging es weiter...dem Teich entgegen.
    Der Fischzug ging unspektakulär vorüber. Viel Kraut, wenig Fisch.
    1 müder Hecht hatte sich im Steert verirrt.
    Mein Vater erklärte Ove, Du es liegt daran, zu viel Kraut...wir ziehen die Wade über das Kraut
    und somit über die Fische.
    Er gab ihm den Rat, lass die Finger von den beiden Teichen hier, das ist nichts.
    Wir rückten wieder ab!

    Zweiter Teich!
    Dieser lag in einem Waldstück, malerisch nicht zu tief und eingewachsen. Hatte nur 1
    Handicap. Es soll wohl der Bestand an Fischen durch eine seltene Käferart, die die Kiemen zerstören sollen, recht dezimiert worden sein.
    Diese Kiemenparasaiten befallen speziell die Karpfen.
    Ja sagte mein Vater zu Ove, dieser Teich ist eigentlich schon besser, wir müssen nur sehen,
    was noch an Fischen in ihm ist.
    Übrigens der Teich hatte eine Tiefe von 140 – 180 cm, war also nicht all zu tief.
    Den Samstag darauf sollte es wieder losgehen.
    Der 6 Tag der Woche kam und wir legten los, nahmen dieses Mal Buttnetze mit,
    um zu sehen, was da los war. Wir konnten schön sehen, wie die Flottleine (Schwimmleine)
    zu sehen war, das Wasser war zudem sehr klar.
    Mein Vater äußerte, in der Dunkelheit müssten sich die Fische in unser Netz verirren, jetzt einfach
    abwarten.
    Am nächsten Tag traten wir voller Spannung an, schauen wir doch mal, ob was in den
    Netzen ist? Ich hatte ja schließlich in der Nacht schon von dicken Monsterkarpfen geträumt.

    Am nächsten Morgen!
    An einer Stelle hing das Netz durch. Voller Freude paddelten wir hin, das Netz zu bergen.
    Es war ein dicker Spiegler (Spiegelkarpfen). Mein Vater machte sofort den Kiemendeckel
    hoch, er wollte sehen, ob auch dieser Fisch die Kiemenparasiten hatte, ja auch dieser
    prächtige Fisch hatte diese Viecher, hatte ich bis dorthin noch nie gesehen.
    Dann waren noch 4 große Schleie im Netz.
    Die wollten wir mitnehmen und diese kamen in einen Eimer mit Wasser.
    Sie sollten schließlich in die Badewanne in Schlutup. Aber nicht zum Baden oder zweifelt Ihr etwa an meinen Worten??!
    Ich stellte den Fischeimer mit den lebendigen Fischlein hinter den Rücksitz in Ove´s Auto.
    Zugleich räumten wir alles wieder auf, verpackten alles für die Abfahrt.
    In Schlutup angekommen war es plötzlich sehr hektisch, ich nahm den Eimer mit Fisch aus dem Wagen und kümmerte mich auch um die anderen Sachen, wie Netze usw.
    Mein Vater sagte auch in diesem Falle zu Ove, dieser Teich ist nichts.
    In der ganzen Eile hatte ich Dösbaddel nicht bemerkt, im Eimer waren nur noch 3 Fische!
    Wo war der Vierte? Keine Ahnung!

    Nach 4 Wochen fragte ein Kollege, der zu Ove ins Auto stieg, sag mal „hast Du Katzen“!?
    Dadurch aufgeschreckt fand Ove einen Fischkadaver unter dem rechten Vordersitz, mumifiziert, skelettiert..voll ekelig und stinkig. Pah, pfui Teufel muss das gestunken haben.
    Wie peinlich stellt Euch das mal vor, hast Du Katzen!!!!
    Aber auch Ove fand bald seinen Teich und wurde Mitpächter am Blankensee Ortsteil Hornsteil
    vor den Stadttoren Lübeck.

    Ich möchte noch erzählen, zu damaliger Zeit hatte ich mit Zicken (Mädchen) nichts im Sinn, das kam
    einige wenige Jahre später. Mit Mädchen konnte ich nichts anfangen, noch nicht! Ich wollte lieber
    angeln, Fischen, Fußball spielen und herumstromern.

    ...ein ganz großer Zeitsprung....
    Fast 10 – 12 Jahre später zum Jungmanne gereift, stand ich bei Hünicke Bürohandel Königstraße in der Nähe des Fotokopierers, wo man für einen bescheidenen Obolus Ablichtungen aller Art bekommen konnte.
    Dort am Kopierer arbeitete eine sehr interessant gebaute junge Frau, kopierte vielleicht Zeugnisse,
    andere gleichwertige Utensilien?
    Ich hatte die Angewohnheit mich unmerklich in den Wissenstand zu versetzen, wer denn die schöne Amazone war?
    Machte den Luschimann! Ich traute meinen Augen nicht, da.da.da...stand auf dem Papier Ische Piening „Abiturzeugnis oder so“ boah eh.
    Ich gab mich zu erkennen, hinter dem Manne mit Vollbart steckte nichts anderer als
    meines Vaters Sohne Rolf Peter Willwater.
    Aber möglicherweise stand Ische nicht auf Männer mit stinkigen, kratzenden Vollbärten...
    Jungs und Mädels, das war nicht mein Tag.
    Aber wir unterhielten uns trotzdem ganz lieb, nett und wünschten uns alles Gute.
    Was denkt Ihr denn?! Keinen Fisch namens Ische gefangen!
    Und zugegeben jeder Tag ist Angeltag, aber nicht jeder Tag ist Fangtag.

    Das war die belanglose Geschichte um Ove´s Angelteiche.

    Viele Jahre, ganz viele Jahre sind vergangen, Hannes Willwater, Ove Piening
    liegen auf den Kirchhöfen Ihrer Heimatdörfer.
    Im Geiste bin ich bei Ihnen, vergesse nie die schönen gemeinsam erlebten Abenteuer.

    Heute bin ich ohne Vollbart, den habe ich nach dem Abblitzen bei Ische abgenommen,
    man weiß ja nie wofür es gut war.

    Ach ja,
    hast Du einen guten Freund...bist Du reich.
    Hast Du einen guten Freund, der Dir auch noch das Leben gerettet hat,
    kannst Dich glücklich schätzen....
    kannst Dich immer auf ihn verlassen.
    Diese Freundschaft hält über den Tod hinaus.....

    Rolf Peter Willwater


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    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Ove `s Angelteiche! - Erstellt von: Rolf Willwater Original-Beitrag anzeigen